“Woran erkennt man eigentlich einen guten Mediator?”
3. Juni 2008 | Von Dr. Joachim Simen | Kategorie: Konfliktmanagement & Mediation
Die Mediationssitzung beginnt. Nach dem vorbereitenden Telefonat, das vor einigen Tagen stattfand, sitzen die Klienten (Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens) und die MediatorInnen zum ersten Mal gemeinsam an einem Tisch. Nachdem sich die Mediatoren kurz vorgestellt haben wird der Ball zu den Klienten gespielt. “Was hat Sie hierher gebracht? Was erwarten Sie von einer Mediation?” fragt der Mediator ermunternd die Klienten.
“Ja, …” antwortet der erste und macht eine kurze Pause “Woran erkenne ich eigentlich einen guten Mediator?” Der Mediator stutzt. Es entsteht eine kurze Pause. Diese Frage hat er jetzt nicht erwartet.
Alle Blicke, einschließlich die des Co-Mediators, sind jetzt erwartungsvoll auf den Mediator gerichtet. Das ist nicht gerade der klassische Einstieg in eine Mediation und trotzdem ungemein hilfreich – für die Klienten und für die Mediatoren.
== Schnitt und Szenenwechsel ==
Ich gebe zu, diese Frage beschäftigt den mich, Dr. Joachim Simen, nun seit vielen Jahren. Eine schnelle und einfache Antwort darauf habe ich nicht. Die grundlegendste Frage stellt sich ganz am Anfang und zwar dort wo noch lange nicht von einer konkreten Mediation die Rede ist.
Was kann ich Hilfesuchenden bieten, damit diese die größte Hürde nehmen nämlich den Griff zum Telefon zu tätigen, für eine erste Kontaktaufnahme mit einem unbekannten Menschen, von dem sie annehmen aber nicht wissen, dass der sie unterstützen kann?
Üblicherweise können Freunde, Bekannte oder (Geschäfts-)Partner Ratsuchenden einen Mediator empfehlen. Sie kennen ihn vielleicht persönlich oder haben ihn auf einer Veranstaltung kennen gelernt. Manchmal wird ein Mediator auch von einem Kollegen weiterempfohlen, wenn er organisatorisch besser erreichbar oder thematisch mit der Situation vertraut ist.
Und wenn niemand da ist, der einen Mediator empfehlen kann? Was ermutigt einen Ratsuchenden, meine Telefonnummer zu wählen, ohne zu wissen wer da jetzt gleich abhebt? Weshalb wird mir in dem anschließenden Gespräch oft enormes Vertrauen geschenkt und von den bedrückenden persönlichen Situationen offen berichtet?
In den Informationen, die über mich und meine Kollegen im Internet zugänglich sind, versuche ich ein Vertrauensangebot zu machen. Dieses Angebot umfasst einen offenen und tiefen Einblick in meine Arbeit und meine Person. Es ist deshalb ein Vertrauensangebot, weil es abgelehnt oder sogar missbraucht werden kann. Indem ich zeige, mit welchen Fragen ich mich beschäftige oder mit welchen Unsicherheiten ich noch zu kämpfen habe, wird meine Persönlichkeit greifbar und angreifbar.
Der berühmte Griff zum Telefon wird zu 99% aus dem Bauch heraus entschieden. Ich hoffe, dass ich diese Entscheidung bei bestimmten Personen positiv beeinflussen kann. 99% aller Anrufer nutzen nach dem ersten Gespräch unsere weiteren Unterstützungsangebote. Und damit ist bereits der schwierigste Schritt zu einer möglichen Klärung erfolgreich bewältigt.
Ich hoffe, dass Ihnen dieser Artikel weitergeholfen hat. Haben Sie Fragen oder eine Anregung? Schreiben Sie einfach einen Kommentar. Wir freuen uns auf den Dialog mit Ihnen.
Sehr geehrter Herr Simen
Nun ja, da haben Sie sicher Recht, dass es eine oft unbegründbare Entscheidung aus dem Bauch heraus ist, ob und welchen Berater, Coach oder eben Mediator ich als Ratsuchender kontaktiere. Vielleicht können Sie mir und den anderen Lesern ihrer Seite trotzdem noch den ein oder anderen konkreten Hinweis geben, woran wir uns halten können?
Mit Dank im Voraus
Johannes R.
Ich bin Ihnen sehr dankbar für den wichtigen Hinweis, dass Sie konkretere Aussagen brauchen. Gerne komme ich dem hier nach und muss Sie gleich noch um etwas Geduld bitten. Sie werden auf jeden Fall informiert.
Viele Grüße
Dr. Joachim Simen
[...] Hier finden Sie einen weiteren Artikel von mir zur Frage woran man eigentlich eine gute Mediatorin bzw. einen guten Mediator erkennen kann. [...]