Wirtschaftsmediation zur Rettung eines Fußballstadions

5. September 2007 | Von Dr. Joachim Simen | Kategorie: Konfliktmanagement & Mediation, Sport, Verein & Trainer, Wirtschaft & Unternehmen

Jeder Praxisfall, bei dem die Ausgangssituation und das Vorgehen einer Wirtschaftsmediation beschrieben wird, unterstützt andere Betroffene, sich mit der Möglichkeit einer Mediation auch im Sportbusiness auseinanderzusetzen. Aus diesem Grund versuche ich, in meinem Blog möglichst viele Fälle zu sammeln und einzelne Aspekte näher zu erläutern.

Ein aktueller Fall wird von den Niederösterreichischen Nachrichten gemeldet. Hier versucht eine Gemeinde das weitere Vorgehen rund um den Verkauf bzw. die weitere Nutzung eines Fußballplatzes im Rahmen einer Mediation zu regeln. Die Ausgangslage scheint verfahren, aber mit Hilfe eines Mediators hofft der Bürgermeister alle Beteiligten, die Vertreter der Bank, die Eigentümerfamilie eines Fußballfeldes und die Bürgen, an einen Tisch und zu einer für alle vertretbaren Lösung zu führen.

Interessant ist hier der für Mediatoren nicht unbekannte Hinweis, dass während des Mediationsverfahrens alle gerichtlichen Verfahren ruhen sollen. Das ist eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Mediation, um Raum für ein ergebnisoffenes Verfahren zu bieten. Kein Mediationsbeteiligter soll durch ein parallel weiter vorangetriebenes Verfahren seine Position weiter untermauern oder durch den Zeitgewinn vor vollendete Tatsachen stellen können. Erst wenn das sicher gestellt ist, können sich alle Beteiligten mit aller Kraft auf das Verfahren einlassen.

Im Rahmen der Mediation wird die sich abzeichnende Lösung immer wieder mit Alternative “gerichtliches Verfahren” abgelichen. Die Beteiligten können jederzeit auf ihre sogenannte BATNA (Best Alternative To a Negotiated Agreement = Nichteinigungsalternative) zurückgreifen, sofernsie davon überzeugt sind, hier ein besseres Ergebnis zu erreichen als im Rahmen der Mediation. Zu einer einvernehmlichen und bindenden Vereinbarung kommt es erst dann, wenn sich alle Beteiligten darüber im Klaren sind, was sie im Ergebnis bekommen und was sie dafür eventuell abgeben.

Mediation im Sport und in der Wirtschaft ist eine zusätzliche Chance zur Klärung einer Auseinandersetzung, die alle anderen Wege weiterhin offen lässt.

(Fotoquelle: c4d, photocase.de)

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