Streit um Berliner Hauptbahnhof – eine Vorlage für die Mediation

4. Dezember 2006 | Von Dr. Joachim Simen | Kategorie: Konfliktmanagement & Mediation, Wirtschaft & Unternehmen

Im Rechtsstreit um den Berliner Hauptbahnhof hat die Bahn gegen den Architekten Meinhard von Gerkan eine drastische Niederlage hinnehmen müssen. Das gerichtliche Verfahren ist mit dem Urteil voraussichtlich nicht abgeschlossen und geht wohl in die nächste Runde. Von verschiedenen Seiten wird davon ausgegangen, dass alleine der geforderte Umbau gemäß den Vorlagen des Archtiekten ca. 20 bis 40 Millionen Euro zusätzlich kosten wird. Dabei sind die Kosten für das Gerichtsverfahren, die Mindereinnahmen durch eine neue Baustelle und viele weitere Konfliktkosten noch nicht eingerechnet.

In der Süddeutschen Zeitung vom 29. November gab der Architekt Meinhard von Gerken ein bemerkenswertes Interview. Seine Ausführungen sind eine Steilvorlage für die Mediation. Gleich am nächsten Tag konnte ich dieses Interview als markanten Einstieg in eine Ausbildung für Wirtschaftsmediatoren einbringen.

Auf die Frage warum die Bahn nicht mehr mit ihm gesprochen habe sondern ein anderes Architektenbüro in das Projekt einbezogen hat, antwortete er, dass er es nicht weiß. Für ihn sei diese unglückliche Massnahme nicht nachvollziehbar. Es gäbe aus seiner Sicht keinen rationalen, keinen logischen und keinen ökonomischen Grund. Das sei ausschließlich im rein menschlichen Bereich angesiedelt. Es hat nur mit den Personen zu tun und nicht mit den Sachverhalten. Aus seiner Sicht wollte der Bauherr unter Beweis stellen, dass nur eines wichtig sei. Nämlich das was der Bauherr sage. Jahrelange gemeinsame Planungen, Abstimmungen und Vereinbarungen wären mit dieser Position hinfällig geworden. Das Benehmen der Bahn sein für ihn als Person nicht hinnehmbar.

Ohne hier den Sachverhalt, die Konfliktbeteiligten und deren Verhalten bewerten zu wollen, bleibt dieser Fall “auch” für die Mediation spannend. Es ist ein klassisches Beispiel dafür wie eine Auseinandersetzung im zwischenmenschlichen Bereich durch ein Gerichtsverfahren entschieden werden soll. Zufrieden mit dem Ergebnis wird am Ende wohl niemand sein!?

Joachim Simen

Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 29.11.2006 “Alles gefälscht” (Feuilleton)

3 Kommentare
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  1. Hallo Joachim, danke für diesen Hinweis. Gerade weil es in urheberrechtlichen Streitigkeiten oft um das Urheberpersönlichkeitsrecht geht – hier § 14 UrhG (Entstellung des Werkes) – ist Mediation für diesen Lebensbereich eine sehr lohnenswerte Alternative. Vielleicht kommt es in der zweiten Instanz zu entsprechenden Gesprächen, zumal zumindest für eine der beteiligten Parteien jetzt eine Einigung interessanter werden dürfte.

  2. In der Tat scheint der Streit um den neuen Berliner Hauptbahnhof grundsätzlich sehr geeignet für eine Wirtschaftsmediation zu sein. Momentan stehen sich die Streitparteien unversöhnlich gegenüber. Die Bahn beziffert die Kosten eines Umbaus auf 40 Millionen Euro. In diesem Betrag ist der Imageverlust und der Frust der verärgerten Kunden noch nicht eingerechnet. Tillmann Prinz von der Bundesarchitektenkammer wird von der Berliner Zeitung mit dem Satz zitirt “Unser Rat wäre, dass sich die DB und die Architekten an einen Tisch setzen und beraten, wie sich das Problem lösen lässt.”. Von Außen werden also noch Möglichkeiten einer einvernehmlichen Lösung gesehen.
    Wenn es den Architekten vom Büro von Gerkan allerdings um eine Grundsatzentscheidung geht, ist der mühsame und kostenintensive Weg über die Rechtsinstanzen allerdings richtig. In einer Mediation erhält man eine individuelle, interessengerechte Lösung und kein Grundsatzurteil mit Ausstrahlungswirkung auf andere Bauprojekte. Hier müssen die Streitparteien selbstbestimmt abwägen, ob sie den konfrontativen oder den kooperativen Weg beschreiten wollen.

  3. [...] In den Medien werden ständig Konflikte veröffentlicht, die möglicherweise interessant für eine Mediation wären. Im dia|B|log wurde in diesem Zusammenhang im Dezember beispielsweise der Streit um den Berliner Hauptbahnhof im Blog aufgegriffen. Der Konflikt um die Rechte an “Die drei ???” beschäftigt mich seit einiger Zeit und soll in der Kategorie Medien aufgegriffen werden. [...]

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