Mediation und Beziehungsgewalt – Kein Thema für die Wirtschaftsmediation?

18. November 2007 | Von Dr. Joachim Simen | Kategorie: Familie & Partnerschaft, Konfliktmanagement & Mediation, Wirtschaft & Unternehmen

Am 17.11. durfte ich an der Fachtagung der Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familienmediation e.V. (BAFM) einen bereichernden Einblick in die Szene der Familienmediation erleben. Vor allem der Vortrag und Workshop von Dr. Ulla Gläßer zum Thema „Beziehungsgewalt und Mediation“ hat mich nachhaltig beeindruckt und nachdenklich gemacht.

In meinem Arbeitsschwerpunkt der Wirtschaftsmediation wird Gewalt (bislang?) gar nicht oder kaum thematisiert. Die erschreckenden Zahlen von Ulla Gläßer zur Anwendung von Gewalt machen aber sehr deutlich, dass diese auch von uns Wirtschaftsmediatoren beachtet werden müssen. Täter und auch Opfer sind in der Wirtschaftsmediation vertreten, und ihre Gewalterfahrungen können ein wesentlicher Teil des Konflikts sein.


Gewalt ist kein schichtenspezifisches Phänomen. Gewalt ist in allen Bereichen unserer Gesellschaft vertreten unabhängig von der Herkunft, dem Status und dem Bildungsniveau der Opfer und der Täter. Dementsprechend sind Betroffende in allen Bereichen der Wirtschaft, in allen Positionen in Unternehmen und in allen Berufen zu finden.

Der Vortrag hat mich dafür sensibilisiert, auch in Wirtschaftsmediationen darauf zu achten, ob Gewalt ein Auslöser oder Begleiter für die aktuell ausgetragenen Konflikte sein kann. Von daher stellen sich auch uns die Fragen:
Wie erkennen wir einen bestehenden Gewalthintergrund? Wie gehen wir damit um und welche Möglichkeiten bestehen, diese Thematik zum Nutzen der Medianten einzubeziehen?

Falls Sie Anmerkungen, Hinweise oder Fragen haben, freue ich mich über Ihren Kommentar.

Dr. Joachim Simen

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3 Kommentare
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  1. Sehr geehrter Dr. Simen,
    ihre Anmerkungen zum Thema Gewalt sind sicher erschreckend richtig. Aber steckt nicht in fast jedem ungelösten Konflikt Gewalt? Ist nicht unser gesamter mitmenschlicher Umgang leider durch Gewalt geprägt? Nicht umsonst tun wir uns mit Themen wie der gewaltfreien Kommunikation so schwer. Und wie viele Menschen betrachten andere Meinungen und Ansichten als Bedrohung und Angriff. Das zu erkennen und sich bewusst zu machen, ist meiner Meinung nach der erste Schritt in die richtige Richtung. Viel Erfolg dabei
    Christine Modrovic

  2. Guten Tag Frau Modrovic

    Vielen Dank für Ihre wichtige Anmerkung. Die Frage, wo Gewalt eigentlich anfängt, wird von Person zu Person und je nach Situation wohl ganz unterschiedlich gesehen. Ein Verhaltensbiologe wird feststellen, dass Gewalt ganz selbstverständlich zu unserem menschlichen Handeln gehört. Für Andere ist vielleicht schon eine ironische Bemerkung ein Akt massiver Gewalt, um dem Gegenüber jegliches Menschsein abzusprechen.

    Dass sich in einem Konflikt nicht nur Positionen und Interessen gegenüberstehen können sondern damit auch die konkrete Ausübung und das Erleben von Gewalt verbunden sein kann, ist eine wichtige Erkenntnis für unsere Arbeit.

    Ihren Hinweis zur gewaltfreien Kommunikation finde ich auch sehr interessant. Es gibt auch Personen, die es gerade als Gewalt empfinden, wenn zu ihnen jemand in GFK-Sprache spricht. Einen Hinweis auf die Gründe gibt Markus Sikor in seinem Blog.

    Viele Grüße
    Joachim Simen

  3. Hallo Joachim,
    ich wollte gerade auch was zu Deinem interessanten Beitrag schreiben, da habe ich Deinen Kommentar entdeckt. Herzlichen Dank für den Verweis auf meinen Blog-Artikel!
    Ich kann Dir nur zustimmen, dass auch bei Sachkonflikten in Unternehmen sehr oft Gewalterfahrungen mitschwingen. Ich würde sagen, dass bei stark eskalierten Teamkonflikten fast immer persönliche Verletzungen passiert sind, die die Lösung von Sachfragen verhindern. Eine Aufgabe in der Mediation ist es dann meist, diese “Leichen im Keller” zumindest wieder präsent zu machen und die Verletzungen zu bearbeiten und zu klären, soweit es geht.
    Wie siehst Du das?

    Mit herzlichen Grüßen,

    Markus Sikor
    http://www.institut-sikor.de/
    http://institut-sikor.blogspot.com/

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