In der Mediation gut entscheiden – Ja, aber wie?
3. Juli 2008 | Von Dr. Joachim Simen | Kategorie: Konfliktmanagement & Mediation
Im Kern eines Konflikts liegt häufig eine schwierige Entscheidungssituation vor. Für die Beteiligten geht es scheinbar um Alles oder Nichts, Ja oder Nein, Gewinnen oder Verlieren.
- Jetzt reichts, der Ast vom Nachbar muss jetzt ab!
- Wenn mein Chef weiter so mit mir umgeht werde ich sofort kündigen!
- Ich kann meinem Kompagnion nicht weitertrauen, der muss unsere Firma schnellstmöglich verlassen!
- Den Vertragsbruch muss mein Vertragspartners mit € 100.000 abgelten!
Auch eine Mediation zur Klärung des Konflikts ist von Anfang bis zum Ende mit vielen kleinen und trotzdem wichtigen Entscheidungen gespickt.
- Soll ich tatsächlich mit den anderen an einen Tisch sitzen obwohl ich mir davon wenig bis garnichts verspreche?
- Kann ich dem Mediator vertrauen, dass das hier korrekt abläuft und ich nicht über den Tisch gezogen werde?
- Warum soll ich mich hier in der Mediation engagieren, wenn ich das Problem bei meinem Anwalt ablegen oder vom Gericht entscheiden lassen könnte?
- Wie kann ich sicher sein, dass im Hintergrund der Mediation nicht weiter meinem Stuhl gesägt wird?
Als Mediator, der sehr genau auf die Bedürfnisse seiner Klienten und deren Ziele schaut, kann ich deren Anspannung und innere Zerrissenheit nachvollziehen. Sie werden in der Mediation laufend vor Entscheidungen gestellt, die für sie oft schwierig zu beantworten sind. Gemäß unserem Auftrag versuchen wir nicht für sie zu entscheiden sondern ihnen den passenden Rahmen zu bieten, in dem sie “gute” Entscheidungen treffen können. Aber was sind gute Entscheidungen und wie kommen diese in der Mediation zustande?
Meine Klienten haben in einer Mediation immer dann eine gute Entscheidung getroffen wenn:
- für Sie Klarheit besteht, was sie wirklich wollen.
- möglichst viele Alternativen gefunden und nach deren Stimmigkeit überprüft wurden.
- eine klarer Plan der die Umsetzung der Entscheidung begleitet und eine konkrete Unterstützung mit einbezieht.
Wie die Entscheidungen zustande kamen ist eine persönliche Stilfrage, die sich an den Klienten orientiert. Kopf- oder Bauchentscheidungen sind beide möglich und müssen von den Mediatoren anerkannt und unterstützt werden.
Vor einigen Tagen konnte ich Prof. Dr. Gerd Gigerenzer, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, im Rahmen eines Vortrages kennen lernen. Gespannt habe ich seinen Ausführungen über “Bauchentscheidungen – Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition” gefolgt. Von seinen Ideen können auch wir Mediatoren profitieren. Denn eine Mediation ist dann erfolgreich, wenn unsere Klienten auch noch lange Zeit nach der Mediation sagen können: “Ja, ich habe damals richtig entschieden!” Daran lassen wir den Wert unserer Arbeit messen.
Einen weiteren Beitrag zum Entscheiden in der Mediation finden Sie hier unter dem Titel:
Entscheiden in konfliktträchtigen Situationen
Vielen Dank an Kirstin Nickelsen bei der ich dieses Video über die Arbeit von Prof. Gigerenzer gefunden habe.
Quelle Video: sevenload.com
Quelle Foto: www.photocase.de/ Fotograph:time2share